| Das rätselhafte
Verschwinden von Renate Dohne hält Darius in Atem. Seine
ehemalige Angestellte scheint aus ihrer unglücklichen Ehe
geflohen zu sein. Aber warum meldet sie sich nicht einmal bei
ihrer Mutter? Vielleicht hat ihr Verschwinden etwas mit ihrer
früheren Tätigkeit für die Soko Rheinhessen zu
tun. Wurde sie etwa selbst in den Sumpf von Wirtschaftskriminalität,
Erpressung und Drogenhandel gezogen, den sie jahrelang bekämpft
hatte? Oder sollte Darius Schäfer einer ganz anderen Fährte
folgen? Er spürt, dass die Winzerdynastie, in die Renate
eingeheiratet hat, dunkle Geheimnisse verbirgt. Doch dann kommt
es zu einem Wiedersehen mit der Vermissten, das sich Darius ganz
anders vorgestellt hatte ...
Leseprobe:
Ich erinnerte mich, dass
ich mich beim Eintreten in die Kirche auf die bereits im Kreis
stehende Gruppe konzentriert und daher nur einen flüchtigen
Blick auf die schwebende Skulptur geworfen hatte. Ja, jetzt im
Nachhinein erinnerte ich mich, dass mir dabei auch aufgefallen
war, dass darunter etwas Dunkelgraues drapiert lag, das wie ein
wellenförmiger Bergrücken aussah.
Was also hatte Johannes enthüllt, indem er die Wolldecke
und die jetzt als Knäuel außerhalb des Ringgitters
lag zwischen zwei Stäben hindurchgezogen hatte? Durch
die schmiedeeisernen Stäbe konnte man nun selbst aus der
Entfernung etwas erkennen, was in mir blitzartig ein Déjà-vu-Erlebnis
auslöste. War dieses diffuse Gefühl, eine unbekannte
Situation genau so schon einmal erlebt zu haben, eine Fehlschaltung
in meinem Gehirn? Keineswegs, mich durchfuhr eine schreckliche
Ahnung. Niemals würde ich das Ereignis und das Datum vergessen:
Es war der 16. Juli 2002, als ich aus ähnlicher Entfernung
ein ebenso unidentifizierbares Bündel auf einem Acker ausgemacht
hatte, welches sich dann als der zerschmetterte und leblose Körper
meines besten Freundes Horst Scheurer herausstellte.
Und obwohl meine Gedanken in dem dramatischen Sog der Erinnerung
strudelten, konnte ich doch gleichzeitig beobachten, wie Johannes
seinen Vater am Ärmel zog, um dessen Blick, der fasziniert
an der über ihm schwebenden Skulptur zu haften schien, auf
das Objekt am Boden zu lenken.
Widerwillig folgte er der stummen Aufforderung, stutzte, schüttelte
ungläubig den Kopf, wischte sich über die Augen, so,
als wollte er einen Albtraum auslöschen, blickte wieder nach
oben, dann nach unten, erbleichte schlagartig und trat schließlich
einen Schritt zurück. Seine rechte Hand fuhr mit einer fahrigen
Bewegung zum Mund, die linke packt Johannes an der Schulter. Er
zog den Kleinen, rückwärts taumelnd, in unsere Richtung.
Ich hatte mich aus der erstarrten Gruppe gelöst und war auf
ihn zugegangen. Mit irrem Blick starrte er mich an, drehte sich
dann aber weiter zu der immer noch sprachlosen und entsetzten
Gruppe, deutete auf das Gitter und stammelte „da ... da
... die ist tatsächlich tot, ... mausetot“ und fügte
fast entschuldigend, mit leiser Stimme hinzu, „ich habe
so etwas ja noch nie erlebt.“
Wieder einmal, schoss es mir durch den Kopf, wieder einmal war
ich früher an einem Tatort, als die Polizei. Ich hoffte nur,
dass das nicht zu einer notorischen Bestimmung wurde.
Die Tote lag auf dem Rücken,
genau unter „Der Schwebende“. So stirbt man nicht
freiwillig und auch nicht durch einen Unfall oder eine natürliche
Ursache, fuhr es mir sofort durch den Sinn. Vor allen Dingen diese
Frau nicht, nicht SIE!
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